Liberia

Unsere kleine Gruppe (fünf Reisende mit dem Guide Boureima Sissoko und den Fahrern Mamadou und Moussa) reiste von Lola im Südosten Guineas auf einer Buckelpiste nach Liberia ein. Kaum in Liberia angelangt, wurden die Straßenverhältnisse wesentlich besser, allerdings wurden wir auf dem Weg zur Firestone-Plantage in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Monrovia ständig an Kontrollpunkten angehalten, an denen wir mehrmals aus nicht nachvollziehbaren Gründen zur Kasse gebeten wurden. Es ging nicht immer freundlich zu, und auch das Personal im Hotel in Gbarnga, wo wir zwischendurch übernachteten, war höchst unfreundlich. Eine Enttäuschung, nach der umwerfenden Freundlichkeit in Guinea. Aber der Reihe nach. Zuerst einmal Geldwechsel an der Grenze, dann unterwegs nach Gbarnga und dann weiter zur Plantage.

Der US-Konzern Firestone erhielt 1926 vom Staat Liberia ein großes Gebiet für Gummiplantagen für 99 Jahre zur Pacht überlassen. Firestone errichtete ebenfalls eine große Reifenfabrik, in der der in der Plantage gewonnene Kautschuk verarbeitet wurde. Diese Fabrik ist schon lange Geschichte. Zwar wird inzwischen wieder vermehrt Kautschuk gewonnen, aber die Verarbeitung findet außerhalb Liberias statt. Leider ist das nicht eine Ausnahme, sondern die Regel in den Ländern Westafrikas. Rohstoffe werden nicht hier verarbeitet, sondern von internationalen Konzernen ausgeführt und zumeist in den Industrieländern verarbeitet. Der Gewinn kommt somit nicht der einheimischen Bevölkerung zugute, sondern den Konzernen (aus Nordamerika, Europa, zunehmend China und in einigen Ländern auch Russland). Firestone-Liberia gehört übrigens inzwischen dem japanischen Konzern Bridgestone. Nach Besichtigung der Plantage fuhren wir weiter nach Monrovia.

Erkennen Sie die Fahne Liberias? Sieht aus wie die Flagge der USA, mit dem kleinen Unterschied, dass es nur einen Stern gibt. Hier einige Fotos aus der Hauptstadt, die nach dem ehemaligen US-Präsidenten Monroe benannt ist (der mit der nach ihm benannten Monroe-Doktrin, die derzeit wieder sehr aktuell ist - Sie wissen schon, Lateinamerika ist der Hinterhof der USA, niemand sonst soll sich hier einmischen).

Ja, der Einfluss der USA ist unübersehbar. Wie kam es überhaupt zur Gründung Liberias? Nun, bereits 1822 kaufte die American Colonization Society den Küstenstreifen im heutigen Liberia, um dort freigelassene Sklaven aus den USA anzusiedeln. Man kann davon ausgehen, dass diese Gesellschaft von weißen US-Amerikanern das nicht nur aus reiner Nächstenliebe taten. sondern einerseits selbst Kolonialherren werden wollten und andererseits möglicherweise auch People of Color (auch wenn man damals wohl eher N... sagte) loswerden wollten. Die ehemaligen Sklaven kamen allerdings nicht in ein unbewohntes Land, sondern gerieten immer wieder in Konflikte mit der dort ansässigen Bevölkerung. Für die freigelassenen Sklaven allerdings (die auf Providence Island afrikanischen Boden erreichten) wurde durch "die Rückkehr" nach Afrika ein Leben in Freiheit Realität.

1847 erklärte Liberia seine Unabhängigkeit, auch wenn die USA diese erst 1862 anerkannten. Zwar musste Liberia nach der berühmt/berüchtigten Berliner Kongokonferenz einen Teil des Staatsgebiets an Frankreich abtreten, aber nicht zuletzt durch den Einfluss der USA blieb Liberia unabhängig (unter einer ameriko-liberianischen Elite) und bildte somit gemeinsam mit Äthiopien die Ausnahme von der vollständigen Aufteilung Afrikas durch die Europäer.

Im 20. Jahrhundert erlebte Liberia einen furchtbaren Bürgerkrieg, in dem insbesondere die Rebellen um Charles Taylor durch den Einsatz unter Drogen gesetzter Kindersoldaten seit 1989 auf grausame Art und Weise "Berühmtheit" erlangten. 1997 gelangte Taylor schließlich durch Wahlen an die Macht, aber bereits 1998 flammte der Bürgerkrieg wieder auf. Nach einem Waffenstillstand 2003 verließ Taylor das Land. Im Nationalmuseum von Liberia kann man sich über den Bürgerkrieg und über die desaströse Ebola-Epedemie von 2014 bis 2016 informieren. Und für Fußballfans: im Museum kann man auch ein Trikot des besten liberianischen Fußballers aller Zeiten besichtigen. George Weah spielte in den 1990er Jahren beim AS Monaco, Paris Saint-Germain und AC Mailand. Aufrgrund seiner Popularität wurde der vielfach ausgezeichnete Fußballer (u.a. Europas Fußballer des Jahres, Ballon dÓr) später sogar als Präsident Liberias gewählt (Amtszeit von 2017 bis 2023). 

In Monrovia sieht man noch so manche Ruine, die der Bürgerkrieg hinterlassen hat. die wohl berühmteste Ruine ist das ehemalige Ducor Palace Hotel, das einst von der PanAm errichtet wurde und später unter Ghaddafi in libyschen Besitz überging.  

Hier noch ein paar Impressionen aus Monrovia, wie z.B. das Kennedy-Krankenhaus. Das Highlight sind unsere beiden Fahrer. Und dann sieht man überall im Straßenbild den Einfluss Chinas.

Eine wichtige Rolle im Bürgerkreig spielten auch die sogenannten Blut-Diamenten aus der Gegend um Kenema im benachbarten Sierra Leone. Und somit führte uns die Reise von Monrovia durch eine grüne Landschaft weiter nach Kenema. Von den Diamentenfeldern dann mehr in der Bildergalerie Sierra Leone.